DOOM Eternal setzt neue Maßstäbe

DOOM ist eine Marke, welche die Videospielbranche bereits so lange prägt wie wenig andere. Über die Jahrzehnte hinweg konnte id Software immer wieder beweisen, dass sie die wahren Könige des Shooter-Genres sind. Auch DOOM Eternal setzt neue Gameplay-Maßstäbe, aber reicht das aus, um als Shooter im Jahr 2020 zu überleben? Schauen wir uns das mal genauer an!

Willkommen auf der Erde!

Zwar geht es nicht gegen Aliens, aber dennoch wird die Erde überfallen, und zwar von Dämonen. Das Grundgerüst der Story hinter DOOM Eternal könnte nicht klischeehafter sein, und das Spiel macht auch kein Geheimnis daraus. Der Hauptschauplatz des diesjährigen DOOM Ablegers ist die Erde, einige Jahre, nachdem das meiste menschliche Leben durch Dämonen ausgerottet wurde. Die „Union Aerospace Corporation“ (UAC) verliert den Kampf gegen die Eindringlinge, und so bleibt nur der DOOM Guy übrig, um erneut alles zu retten. Richtig, unser Spielercharakter hat nichtmal einen Namen, DOOM Guy oder DOOM Slayer werden wir permanent genannt, einen wirklichen Namen gibt es nicht. Doch der ist auch gar nicht notwendig, ist unsere Hauptfigur doch eher von der schweigsamen Sorte. Ohne zu viel zu spoilern, sind die einzigen Worte, die unser Charakter während der Geschichte ausspuckt, die folgenden:“ Muss zerfetzen, muss töten, alles.“

Doch das wisst ihr vermutlich bereits, denn wer DOOM kennt, erwartet hier kein erzählerisches Meisterwerk, sondern knallharte Ballerei. Neben der Erde, dem Mars und der Hölle warten viele spannende Settings auf uns, stets begleitet von der Prämisse, die drei Höllenpriester zu töten. Natürlich sind es drei, alles andere wäre ja auch hirnrissig. Das Spiel nimmt sich Gott sei Dank selbst nicht zu ernst: Pentagramme und Totenköpfe, soweit das Auge reicht; Aufzeichnungen, laut denen wir die Notfallnummer „666“ wählen sollen – im Falle eines Dämonenangriffs. DOOM weiß, dass es ein Klischee ist, und nutzt das zu seinem Vorteil.

Brutal, Brutaler, DOOM

Was viele vielleicht wundert: DOOM Eternal gibt es hierzulande tatsächlich völlig ungeschnitten. Das liegt an der überzogenen Gewaltdarstellung, die uns das Spiel jederzeit spüren lässt. Besonders die Finisher oder „Glory Kills“, wie das Spiel sie nennt, enden meist darin, den betroffenen Dämon zu zerfetzen, doch das ist nicht alles. Die meisten Gegner in DOOM lassen sich nicht so einfach töten, so müssen wir vielen von ihnen erst einige Gliedmaßen abschießen und abreißen, bis sie nicht mehr gefährlich sind. Das ist nicht die einzige taktische Komponente der Gewalt, denn Glory Kills oder Flammenwerfer-Tötungen geben uns noch allerhand weitere Vorteile.

Doch es ist wahr, die Kills in DOOM sind brutal. Stirbt ein Dämon nicht, wenn wir auf ihn schießen, können wir dennoch deutlich sehen, wo unsere Kugel ihn verwundet hat. Hier fliegen mit jedem Schuss Fleisch, Blut und Knochen in alle Richtungen. Einige dieser Moves sind so absurd, dass wir selbst nach 20 Stunden noch immer über die Animationen schmunzeln müssen. Das ist der nächste Punkt, von dem DOOM Eternal lebt: Trotz des immer gleichen Gameplays wird einem in den etwa 20 Stunden der Kampagne nie langweilig. Es ist nie öde, bei einem Glory-Kill zu sehen, bei welchem eine Schlange gevierteilt wird. Es ist nie langweilig zu sehen, wie sich schwebende Dämonen an unseren Granaten verschlucken, und einen letzten geschockten Blick da lassen, bevor wir gleich ihr ganzes Auge rausreißen.

Wunderschön widerwärtig

Die Technik des Spiels sieht schlichtweg super aus. DOOM Eternal läuft flüssig auf höchsten Einstellungen über 60fps auf unserem Testsystem, und flüssig ist auch das nächste Stichwort. Denn welche Maßstäbe setzt DOOM Eternal genau? Sicherlich keine Story, auch die Grafik ist zwar schön, aber nicht maßstabsetzend. Es ist der Flow und das Gameplay, welches DOOM Eternal so perfekt macht wie kein anderer Shooter. Doch lasst mich das erklären.

Bereits auf den niedrigen Schwierigkeitsgraden ist DOOM, zumindest für Neulinge, verflucht schwer. Von den höheren wollen wir gar nicht reden. Das Spiel spart mit jeglichen Ressourcen. Man hat stets zu wenig Leben, zu wenig Schild, zu wenig Munition. Die Kämpfe werden taktisch, doch verkriechen darf man sich nicht! Töten wir einen Gegner mit der Kettensäge, lässt dieser Munition fallen, töten wir einen brennenden Gegner, regeneriert das unser Schild. Wird ein Dämon von unserem „Glory-Kill“ hingerichtet, lässt dieser Munition fallen. Dazu kommen einzigartige Waffen, wie die „Big Fucking Gun 9000“, eine Energiearmbrust, oder eine Schrotflinte mit Enterhaken. Gepaart mit den zahlreichen Bewegungsmöglichkeiten des DOOM Guys entsteht hier ein Spiel-Flow, welcher an Exzellenz kaum zu übertreffen ist.

Dieser Spiel-Flow wird intensiver, je höher der Schwierigkeitsgrad steigt. Wir müssen stets in Bewegung bleiben. Stillstand ist unser Todesurteil, so wird aus einem Shooter plötzlich ein Brain-Puzzle, in dem wir blitzschnell entscheiden müssen, welche Handlung die richtige ist, und welche uns das Ende bringt. Besonders in den verstecken Sonderleveln, den „Slayer-Gates“, wird unser ganzes Können auf die Probe gestellt. Hier können wir mächtige Gegenstände finden, wenn wir uns anstrengen. Doch seid gewarnt, das Spiel verlangt hier alles von euch ab.

Zu viel Stress? Sieh dich um!

Sind einmal alle Dämonen im Gebiet tot, sollten wir uns umsehen, denn in DOOM Eternal gibt es stets etwas zu entdecken. Die Level sind groß und abwechslungsreich, vorbei sind die schlauchigen Areale von damals. Es ist die Zeit der Semi-Open-World. Die verschiedenen Gebiete von DOOM erreichen wir über unser Kommandoschiff, das „Fortress of DOOM“. Die unterschiedlichen Level bieten uns abwechslungsreiche Landschaften, schwierige Jump and Run Passagen sowie versteckte Secrets, und das wichtigste: Sie sehen immer grandios aus.

Ebenso haben wir immer einen Anreiz dazu, die Umgebung zu entdecken, denn hinter jeder Ecke könnten sinnvolle Waffen-Upgrades versteckt sein, oder sogar Anzugverbesserungen! Was das Progressionssystem angeht, möchte DOOM ein Rollenspiel sein, und das ist okay. Wir haben haufenweise Möglichkeiten, unsere Waffen und unseren Anzug unserem ganz persönlichen Spielstil anzupassen – grandios. Möchten wir das allerdings überhaupt nicht, sondern schnellstmöglich weiterballern, zeigt uns das Spiel immer den roten Faden, oder eher, den grünen Faden auf. Unser nächster Punkt ist immer grün markiert. Unauffällig, so, dass es uns nicht stört, aber auffällig genug, dass wir ihn finden, wenn wir danach suchen. Chapeau id Software!

Der neue Maßstab

DOOM Eternal ist ein tadellos guter Shooter, doch es ist nicht perfekt. Für ein perfektes Spiel fehlt mir die Story, es fehlt der Tiefgang, es fehlen Charaktere. Was DOOM Eternal allerdings ist, ist ein neuer Maßstab in Sachen Gameplay für das gesamte Shooter-Genre. Das neue DOOM bietet mir Bewegungsmöglichkeiten, einen Kampf-Flow und ein Waffen-Handling, die ich ab jetzt in jedem anderen Shooter vermissen würde. Das ist nicht das erste Mal, dass id Software diesen Schritt macht. Bereits damals waren sie es, welche die bis heute relevante WASD-Steuerung am PC etabliert haben, und heute sind sie es, die das neue Zeitalter für schnelle Shooter einläuten.

Nehmen wir ein Assassin’s Creed als Beispiel. Assassin’s Creed war nicht das erste Spiel, in dem wir auf Gebäude klettern konnten, aber es war so groß und so gut umgesetzt, dass man sich heute in jedem anderen Action-Adventure eingeschränkt fühlt, könnte man es nicht. Genau so fühlt sich DOOM Eternal an, und ich bin mir sicher, dass sich jeder Entwickler, der in den nächsten Jahren einen Shooter auf den Markt bringen möchte, DOOM Eternal ansehen wird, und davon lernen wird.

Was haltet ihr von DOOM Eternal? Habt ihr es gespielt, oder wollt ihr es spielen? Lasst mir gerne ein Kommentar da!

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